Am vergangenen Freitag fand die lang ersehnte Grundsteinlegung des neuen Gefahrenabwehrzentrums an der Lahnstraße statt.
Der Spatenstich fand bereits am 16. Mai 2025 im kleinen Kreis statt, nun waren neben der Einsatzabteilung der Wehr Mitte nicht nur die Mitglieder der Mini- und Jugendfeuerwehren anwesend, auch Vertreter der befreundeten Feuerwehr aus Forst (Lausitz) an der polnischen Grenze waren angereist.
Bevor es zur Baustelle ging, wurde zuerst eine Zeitkapsel in der benachbarten Hans-Thoma-Schule befüllt.

Das Gefahrenabwehrzentrum ist das “größte Bauprojekt, das Oberursel je unternommen hat”, sagte Feuerwehrdezernent Jens Uhlig bei seiner Begrüßung.
Bürgermeisterin Antje Runge hob die Bedeutung des Projekts für die Stadt hervor. “Heute ist in Oberursel ein besonderer Moment”, sagte sie. Das Gefahrenabwehrzentrum setzt ein Zeichen für Sicherheit, Daseinsvorsorge und Resilienz und ist in Zeiten des Klimawandels eine Investition in die Oberurseler Bürgerinnen und Bürger, erklärte sie.
“Starkregen, Waldbrände oder großflächige Stromausfälle sind Szenarien, auf die Kommunen heute vorbereitet sein müssen. Das GAZ schafft die infrastrukturellen Voraussetzungen, damit Oberursel auch in Krisen handlungsfähig bleibt”, sagte die Bürgermeisterin.
Mit Blick auf die neuen Arbeits- und Gesundheitsschutzstandards der Gebäude sagte sie “Wer Sicherheit für anderen gewährleistet, muss auch selbst geschützt werden.”
Schließlich bedankte sie sich bei Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Nachbarkommunen für ihre Beteiligung an den Kosten für die Heißausbildungsanlage.



Der Hochtaunuskreis unterstützt ebenfalls den Bau finanziell, wie Landrat Ulrich Krebs erklärte. Da Fahrzeuge vom Katastrophenschutz in der Wagenhalle untergebracht werden, beteiligt sich der Kreis mit €700.000. Bei der Heißausbildungsanlage sind sie sogar mit €1 Million dabei. Für die Anlage hatte sich der ehemalige Kreisbrandinspektor Carsten Lauer starkgemacht. Er war “sehr hartnäckig”, erinnerte der Landrat. Die Bedeutung ist ihm aber auch klar: “Wir schaffen gute Trainingsmöglichkeiten”, sagte er, und kann sich auch vorstellen, dass Feuerwehren aus dem Main-Taunus-Kreis ebenfalls in Oberursel trainieren werden, wenn der Nachbarkreis sich an den Kosten sich beteiligt.
An den Kosten beteiligt ist auch das Land Hessen, wie Dr. Tobias Bräunlein vom Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz erklärte, und zwar mit €738.000.
Stadtverordnetenvorsteher Lothar Köhler erzählte von der interfraktionellen Arbeitsgruppe, die im September 2019 unter seinem Vorgänger Gerd Krämer gebildet wurde. Hier haben sich zwei Personen je Fraktion zusammen mit dem Magistrat und Vertreter der Feuerwehr zusammengesetzt und unter anderem auch andere Feuerwehrwachen besichtigt. Diese Zusammenarbeit hat das Verfahren beschleunigt, so Köhler. Nach jahrelanger Diskussion hat die Stadtverordnetenversammlung die “mutige und notwendige Entscheidung” zum Bau des GAZs getroffen, sagte er.
Auch mit Blick auf die Planungsphase dankte Jens Uhlig seinen Vorgängern als Feuerdezernent, Thorsten Schorr und Christof Fink, für ihre überparteiliche Arbeit.
Norbert Fischer, Präsident des Landesfeuerwehrverbands, lobte nicht nur das Projekt, er hat auch eine besondere Verbindung zu Oberursel, denn er war sechs Jahre lang hier in der Verwaltung tätig. “Oberursel hat eine starke Feuerwehr”, sagt er und betonte wie wichtig es ist, dass sie mit den richtigen Rahmenbedingungen ausgestattet sind.
Die Heißausbildungsanlage wird ein “Leuchtturmprojekt” für die hessische Feuerwehr, so Fischer. So können die Atemschutzträger in einer Realbrandanlage trainieren.
Das GAZ “wächst vor unseren Augen”, erzählte schließlich Stadtbrandinspektor Valentin Reuter. Er freut sich schon auf die verbesserten Arbeitsschutzbedingungen und ordentliche Lager für den Katastrophen- und Zivilschutz, die aktuell in Containern untergebracht sind. In der aktuellen Wache in der Marxstraße, die im kommenden Jahr 50 Jahre alt sein wird, werden viele Räume zur Zeit auch doppelbelegt.
Im Übrigen erklärte er auf Anfrage, wie das GAZ beheizt wird: das Gebäude wird eine Luftwärmepumpe für den Regelbetrieb haben, der auch an den Notstrom gekoppelt sein wird. Für die Spitzenlastabdeckung im Winter wird es zusätzlich eine Pelletanlage geben.



Wehrführer Uli Both zeigte die Vorteile für den gesamten Dienstbetrieb auf. Auch die Mini- und Jugendfeuerwehren werden im neuen Gebäude eigene Räume haben und am neuen Standort wird kein Fahrzeug mehr im Freien stehen müssen. Er freut sich darauf, das GAZ als neuen Heimatort für die Feuerwehr Mitte zu gestalten.
Nach den Reden wurde die Zeitkapsel gemeinsam gefüllt. Neben aktuellen Münzen, aktuellen Exemplaren der Taunus Zeitung und Oberurseler Woche, wurden auch Aufnäher der Feuerwehr von der Stadt und vom Landkreis in die Zeitkapsel eingelegt. Hinzu kam ein USB-Stick, auf dem die bisherige Chronik der Feuerwehr gespeichert ist und ein kleines Modellauto der aktuellen Fahrzeugreihe, die in Oberursel im Einsatz ist.


Die Gäste machten sich nun auf den Weg über die Dornbachstraße zur Baustelle, wo Valentin Reuter, Antje Runge, Jens Uhlig und Uli Both (v.l.n.r.) die Zeitkapsel in den Boden herunter ließen, flankiert von den Mini- und Jugendfeuerwehren. Später wird an dieser Stelle die Fahrzeughalle stehen. Die zukünftigen Feuerwehrleute können der nächsten Generationen nicht nur erzählen, was unter ihren Füßen versteckt ist, sie können sogar sagen, dass sie selbst dabei waren. (gt)






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