Heute wurde das neue Zuhause der Kunsttäter vorgestellt: Sie ziehen in das ehemalige DRK-Gebäude (Deutsches Rotes Kreuz) in der Marxstraße, zumindest für die nächsten zwei Jahre.
Die Kunsttäter sind ein gemeinnütziger Verein, der seit vielen Jahren seine Werkstatt an der Feldbergschule hatte. Sie arbeiten an Kunstprojekten mit Jugendlichen aus dem ganzen Hochtaunuskreis zusammen, die Sanktionsauflagen vom Gericht bekommen haben oder manchmal auch Strafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Beim Gestalten von Skulpturen und anderen Kunstwerken erfahren die Jugendlichen Anerkennung, Verbindlichkeit und Selbstwirksamkeit. Was zur Auflage oder Strafe geführt hat, fragen die Betreuer nicht.
Finanziert werden sie durch Bußgelder, Spenden und eine Stelle vom Jugendamt des Hochtaunuskreises. Zum Team gehören Sozialarbeiter und Kunsttherapeut Andreas Hett zusammen mit Sozialarbeiter und Erzieher Raffael Wunner.

Alles begann im Jahr 2000 im Umspannwerk an der Frankfurter Landstraße, heute „Kraftwerk”. Dort wurde die „Bildhauerwerkstatt Kunsttäter” von Hett zusammen mit Johannes Seel und Regina Planz ins Leben gerufen. Nach vier Jahren folgte der erste Umzug in die Räume am alten Rathaus in Oberstedten. Hier kam der Kontakt zur Grundschule zustande und zwischen 2006 und 2019 wurden auch Kinderkurse angeboten. Im Jahr 2006 bezog das Projekt die Halle an der Feldbergschule. Ein eingetragener Verein sind sie erst seit 2011, davor war der KSfO (Kultur- und Sportförderverein Oberursel e.V.) Träger der Bildhauerwerkstatt. Bei ihrem 25-jährigen Jubiläum im vergangenen Sommer lobte Michael Glenzer, Leiter des Jugendamts im Hochtaunuskreis, das Projekt als „Alleinstellungsmerkmal in Deutschland”.
Im vergangenen November hat der Hochtaunuskreis das Dach der Halle angeschaut und wollte die Werkstatt bereits im Dezember schließen. Daraufhin haben die Kunsttäter mit städtischer Unterstützung ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. „Erst dann wurde mit uns geredet”, erinnert Hett.

Nach einem erneuten Gutachten des Kreises soll die Halle Ende Mai geschlossen werden. Sie hatten zwei Wochen Zeit, ein neues Zuhause zu finden. Dies war im Sommer dann ein Pavillon auf dem Parkplatz an der Krebsmühle, während sie mit der Stadt zusammen etwas Neues gesucht haben.
Im Gespräch waren die Räume der alten Ketteler-La Roche-Schule am Maasgrund sowie das alte Olympia-Restaurant des Schwimmclubs am Borkenberg. Letzteres wäre eine Notlösung gewesen, so Hett.
Schließlich wurden auch die Räume des DRK ins Gespräch gebracht, da diese durch den Wegzug zur neuen Wache in den Hammergarten weitestgehend frei geworden sind. Die Genehmigung der Bauaufsicht ging schnell, ein Nutzungsvertrag wurde unterschrieben und heute bedankte sich Andreas Hett bei Bürgermeisterin Antje Runge und KSfO-Geschäftsführer Martin Krebs, dass sie so schnell in die neuen Räume einziehen konnten.
Beim Umzug hat das DRK bereits geholfen. Im Oktober werden sie mit der Hebebühne und dem Gerätewagen Logistik (GW-L) die größeren Sachen aus der Feldbergschule holen.

Die neuen Räume bieten auch neue Möglichkeiten, denn im ersten Stock des Gebäudes wird eine Galerie eingerichtet, wo Ausstellungen und Kunsttreffs stattfinden können. Die Werkstatt befindet sich in den Garagen, wo einst Rettungswagen und andere Fahrzeuge standen. Sogar über die Wiederbelebung der Kinderkurse wird nachgedacht, denn nun haben sie auch eine Küche. Im November soll es ein Atelierfest geben.
Bürgermeisterin Antje Runge lobte am Montag den Verein dafür, dass er bereits über 1.000 Jugendlichen geholfen hat. Die Kunststücke findet man oft im Stadtgebiet, zum Beispiel die Kartennadel am Bahnhof.
Und dennoch ist alles nur eine Interimslösung, die erstmal für zwei Jahre gewährleistet ist. Ob der Verein danach in den Räumen bleiben kann oder ob das Gebäude doch abgerissen wird, hängt davon ab, welche Beschlüsse die Politik zur Wohnbebauung nach Fertigstellung des Gefahrenabwehrzentrums (GAZ) fasst.

Vorerst kommt es noch zu einem weiteren Umbruch bei den Kunsttätern, denn Andreas Hett hat angekündigt, mehr Zeit bei seinem Haus in Schweden verbringen zu wollen. Raffael Wunner hat also die Herausforderung, die Werkstatt neu einzurichten. Hett ist aber froh, dass die alten Hallen jetzt mit neuem Leben für junge Leute gefüllt werden. (gt)





Speak Your Mind