Wer kennt das nicht? Man will einfach mal mit der Bahn für ein paar Tage wegfahren, aber dann hat der Zug doch Verspätung. Andere Fahrgäste stören, die Klimaanlage funktioniert nicht richtig, und das Essensangebot ist nicht gerade prickelnd.
Aus solchen Erfahrungen hat Regisseurin Louise Oppenländer ihr nächstes Musical „Zet Zet Ziemlich zügig” geschrieben, das aktuell in Oberursel am Rathausplatz aufgeführt wird.
Als Kulisse dient eine einzige Sitzreihe mit Schiebetür. Sieben Plätze, fünf Schauspieler, aber mehrere Rollen. Schaffner Alexander J. Beck ist dabei der einzige, der den ganzen Abend nur eine einzige Rolle hat und abgesehen von einem Fußballschal keinen Kostümwechsel hat. Die Reisenden: Christian Kerkhoff, Bianca Stillger, Saskia Schnabel und Klaus Heindl, haben jeweils mindestens zwei.

Bei der Premiere am Dienstag kam ungefähr die Hälfte der Gäste nicht aus Oberursel, manche von ihnen kannten das Stück sogar aus Steins Tivoli in Rodenbach und hatten vor, zu mehreren Vorstellungen am Rathausplatz noch zu kommen!
Und das fing schon gut an: bei 34°C spielten Kerkhoff und Stillger eine Szene, in der die Klimaanlage im Zug durchgedreht war und es sehr kalt wurde. Sie zogen sich dicke Klamotten an und stiegen sogar in einen Schlafsack.
Den größten Teil des Stücks spielen die beiden ein Geschwisterpaar, während Heindl und Schnabel Vater und Tochter spielen. Aber nicht immer, denn manchmal verschwinden sie von der Bühne und kehren umgezogen in anderen Rollen zurück – zum Beispiel als Alma (Schnabel) Leo (Kerkhoff) den Zug zeigen will, und währenddessen treten sie als Fußballfans einer größeren Stadt im Rhein-Main-Gebiet gekleidet auf.

Besonders klischeehaft sind die Aufgaben und Aktionen des Schaffners, der öfter verschwindet, um sehr weiche Baguettes zuzubereiten und Wasserflaschen warmzustellen. Als man ihn dann irgendwann fragt, warum er solche Sachen tut, die nicht wirklich kundenfreundlich wirken, hat er eine ganz einfache Erklärung: Die Bahn hat einen Ruf zu verlieren.
Natürlich wird im Stück viel gesungen, mit Zugaben sind es über 20 Lieder aus verschiedenen Musikrichtungen. Mal auf Deutsch „Ein weißer Schwan”, mal auf Englisch „I Can See Clearly Now”, mal Reggae „Don’t Worry, Be Happy” und mal Schlager „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben”. Sogar Fußballlieder: Das Mitsingen ist ausdrücklich erwünscht!

Der Veranstalter, der Kultur- und Sportförderverein Oberursel (KSfO), nimmt keinen Eintritt, bittet aber um eine Spende. Möglich machen das die Sponsoren, die Stadtwerke Oberursel, die GIA Taunus, die Taunus Sparkasse und das Pflanzenland Krammich.
Ob der Zug bis zum Ende der Vorstellung in Hamburg ankommt, können Sie noch am Dienstag, den 11. und 18. August, und Mittwoch, den 12. August, jeweils um 20 Uhr, sowie am Sonntag, den 16. August, um 11 Uhr erfahren.

Auf jeden Fall werden sich alle Beteiligten bei Ihnen bedanken, wenn Sie an diesen Tagen am Rathausplatz mit der Deutschen Bahn fahren! (gt)





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